this site is currently under construction



Von der Möglichkeit einer Bergfotografie, Susan Funk
.......................................................................................................................

Die Künstler zeigen (einer Anleitung gleich), wie sie mit wenigen Handgriffen unser visuelles Archiv zerlegen und in eine neue Anordnung bringen können. Eine Anordnung, die die Sprache des Pathos und aufgeladener Metaphorik nicht kennt.

Die Arbeit horizontfarben basiert auf einer found footage Digitalfotografie des Berges Watzmann bei Berchtesgaden im Morgenlicht, die die Künstler im Bildportal Flickr gefunden haben. Der dargestellte Berg ist der Höchste in Deutschland, der vollständig auf deutschem Staatsgebiet verankert und somit Bedeutungsträger im patriarchalen Bildvokabular ist.

Durch eine zielstrebige Geste entfernen die Künstler die (überladene) Bedeutung der Darstellung und geben sie wieder frei. Was wir zu sehen bekommen, ist eine zeitgenössische Bergdarstellung, die dringend notwendige Fragen über die Aktualisierbarkeit von Landschaftsmalerei aufwirft.

Schon in der Romantik war der Watzmann ein beliebtes Motiv. Ludwig Richter machte 1824 auf sich aufmerksam, als er den Berg monumental abbildete. Wenige Jahre darauf war es auch Caspar David Friedrich ein Anliegen, den Berg zu portraitieren. Er distanzierte sich jedoch klar von Richters Landschaftsauffassung, da sie ihm zu überladen und deshalb naturwidrig schien und setzte ihm eine stark reduzierte Version entgegen, die auf jegliche Menschendarstellung verzichtete und den Berg als Pyramide, die den Himmel berührt, stilisierte. Durch eine symbolistische Aufladung der Natur konnte das Gemälde auf wenige Elemente begrenzt und wie nach einer Anleitung entziffert werden.

Ebendiese Aufladung der Natur – auch wenn sich die Bedeutungen mittlerweile verschoben haben – hat auch in unserer heutigen Bildsprache Spuren hinterlassen. Kunst scheint in der Konstruktion beziehungsweise Dekonstruktion eines Mythos eine nicht unwichtige Rolle zu spielen: Wurden die Alpen während des Nationalsozialismus zu Propagandazwecken instrumentalisiert, denken wir ihre Abbildung heute in Verbindung mit Begriffen wie Konservatismus, Nationalismus, Reaktionismus oder Kitsch.

Wie objektiv also kann ein Abbild sein?
Als Vorlage für ihre konzeptionelle Arbeit verwenden die Künstler eine Digitalfotografie, die als Medium an sich schon relativ wertneutral ist. Jedoch kein reines Abbild der Natur. Dieses reine Abbild wäre einzig der göttliche Blick, der seit der Aufklärung allerdings obsolet geworden ist. Sogar die Diskussion um heutige Satellitenbilder zeigt, dass auch in hochmodernsten Abbildungsverfahren nicht von Objektivität gesprochen werden kann. Der Mensch schreibt sich ein, damals wie heute und kommuniziert dadurch ein Stück Weltsicht.

Der Originalfotografie sieht man ihre subjektive Inschrift noch deutlich an. Der Autor scheint von der morgendlichen Sonnenaufgangsstimmung beeindruckt gewesen zu sein. Kindermann und Klar vergrößern nun ebendieses Bild, bis es eine Länge von 59m hat, was die exakte Länge des Ganges ist, für den die Arbeit konzipiert werden sollte. Anschließend reduzieren sie die Bildauflösung auf 59 Pixel in der Breite und trennen einen 1m hohen und 59m breiten Streifen entlang des zentralen Bergrückens heraus. Das sich hieraus ergebende Pixelband drucken sie aus und mischen jeden einzelnen Farbwert mit Wandfarbe neu an, bevor sie es auf die Wand übertragen.

Die Besucher bekommen im Abschreiten des Bandes einen physischen Eindruck, sie werden wieder an das ursprüngliche Berg-Erleben erinnert, wobei sich ein Gesamtbild verweigert. Fast scheint es wie eine Vorsichtsmaßnahme, um die Monumentalität des Bergmassivs ja nicht zu stark zu spüren. Auch die Zerteilung des Referenzbildes und anschließende Farbkonvertierung in Schwarz-weiß, arbeitet gegen eine metaphysische Versenkung im Bild.

Die Künstler verwenden unterschiedliche Medien – found footage, Digitaldruck, Malerei - oszillieren zwischen den verschiedenen Zuständen und entscheiden sich am Schluss für eine Synthese der Disziplinen. Somit zollen sie ihren Tribut sowohl an klassische Bergdarstellungen, wie auch an das fotografisch notierte Bergglück jedes Einzelnen auf Wanderschaft. Es geht hier nicht um einen Wettstreit der Disziplinen, sondern um eine Auslotung der Grenzen in der Landschaftsmalerei. Sehnsuchtsvolle Erinnerungen an die einstige Einheit von Mensch und Natur stellen sich ein und verflüchtigen sich sogleich. Only the sky is the limit. Doch es bleibt etwas zurück.